Ich muss mir das einfach mal von der Seele schreiben, weil mich die ganze Situation mittlerweile unglaublich wütend und traurig macht.
Ich (21) bin vor einigen Monaten mit meinem Partner zurück nach Berlin gezogen und habe im April unsere Tochter bekommen. Meine Eltern wohnen mittlerweile in Rostock, nachdem sie vor etwa zwei Jahren dorthin gezogen sind. (Hab da selber etwa 9 Monate gewohnt weil meine Mutter es mir monatelang heulend eingeredet hat, war aber nicht meins)
Schon während meiner Schwangerschaft hat meine Mutter mir wegen meines Umzugs unglaublich viel Stress gemacht. Sie hatte angeblich solche Angst, dass ich den Kontakt zu ihr einschränken und ihr irgendwann verbieten würde, ihre Enkeltochter zu sehen.
Ich durfte mir ständig Vorwürfe anhören und hatte irgendwann ein so schlechtes Gewissen, dass ich teilweise tagelang kaum essen konnte, weil mir vor Stress schlecht war. Ich habe unglaublich viel geweint und immer wieder versucht, meiner Mutter zu versichern, dass sie selbstverständlich weiterhin Teil unseres Lebens sein wird.
Und jetzt? Meine Tochter ist sechs Monate alt und meine Mutter hat sie vielleicht drei- oder viermal gesehen.
Nicht, weil ich den Kontakt verhindere. Nicht, weil sie nicht willkommen wäre. Sondern weil meine Eltern schlichtweg nicht vorbeikommen.
Beide haben ein Auto. Mein Vater fährt sogar regelmäßig nach Berlin, um meine Geschwister und seine anderen Enkelkinder zu besuchen. Meine Schwester wohnt mit dem Auto vielleicht zwei Minuten von mir entfernt, zu Fuß isses nicht viel mehr. Trotzdem schafft er es nicht, auch nur kurz bei uns vorbeizuschauen.
Einmal war er sogar in Berlin, ohne dass mir irgendjemand davon erzählt hat. Ich habe erst hinterher davon erfahren.
Dabei habe ich ihm mehrfach gesagt, dass er jederzeit willkommen ist und meine Tochter immer sehen darf. Besonders bitter finde ich das, weil er sich seit Jahren darüber beschwert, dass meine Halbschwester (älteste, ich bin die jüngste) ihn seine anderen Enkelkinder kaum sehen lässt und rennt ihr seit Jahren hinterher und pumpt ihr Geld in den Arsch, damit sie so gütig ist und ihm Zeit mit den Kindern lässt.
Bei uns hätte er diese Möglichkeit jederzeit. Er nutzt sie nur nicht.
Meine Mutter ist da nicht besser. Einmal erzählte sie mir, sie könne uns wegen ihres Nachtdienstes nicht besuchen. Am selben Tag postete sie eine WhatsApp-Story darüber, dass sie jetzt endlich eine Woche Urlaub habe.
Und das alles, nachdem sie mich während meiner Schwangerschaft so fertiggemacht hat, weil sie angeblich Angst hatte, ihre Enkelin nicht sehen zu dürfen.
Aber das absolute Highlight war die Geschichte mit der Toniebox.
Wir hatten schon vor Monaten Pokémon-Tonies für unsere Tochter gekauft, allerdings noch keine Toniebox. Die Stiefmutter meines Partners hat uns dann eine Toniebox 2 geschenkt.
Meine Mutter kam kurz vor ihrem jetzigen Urlaub bei uns vorbei, sah die Box und fing sofort an, mich anzupampen.
Sie hätte uns die doch schenken wollen! Sie würde ja überhaupt nicht in das Leben ihres Enkelkindes eingebunden werden! Und überhaupt sei die Stiefmutter meines Partners ja nicht einmal die „richtige“ Oma!
Woher hätte ich wissen sollen, dass meine Mutter uns eine Toniebox schenken wollte? Sie hatte das nie mit mir abgesprochen, die Box ist Arsch teuer und ich habe halt nicht erwartet, dass sie das plötzlich machen will?
Und dieser Kommentar über die Stiefmutter meines Partners macht mich besonders wütend. Meine Mutter hat selbst erlebt, wie verletzend es ist, wenn einem als Stiefmutter plötzlich abgesprochen wird, Oma zu sein. Meine Halbschwester hatte ihr damals nach einem Streit genau das an den Kopf geworfen und seitdem den Kontakt abgebrochen.
Sie weiß also ganz genau, wie weh so etwas tut. Und macht jetzt dasselbe bei einer anderen Frau (die sich im Gegensatz zu ihr regelmäßig bei uns meldet und sich blicken lässt!).
Dabei ist die Familie meines Partners unglaublich lieb zu mir und unserer Tochter. Sie haben mich herzlich aufgenommen, interessieren sich für die Kleine und sind tatsächlich präsent.
Mein Partner versucht mich immer damit aufzumuntern, dass ich doch seine Familie habe. Und natürlich bin ich dafür dankbar. Aber es sind eben trotzdem nicht meine Eltern.
Ich möchte doch einfach nur, dass meine eigenen Eltern Interesse an mir und ihrer Enkeltochter zeigen.
Meine Oma ist übrigens auch nicht besser. Sie wohnt sogar in Berlin und hat mir während dem Umzug (erste Nacht in der unfertigen Wohnung) einen langen Text geschrieben, wie sehr sie sich Sorgen um mich mache und dass mein Partner mich angeblich zum Umzug gedrängt hätte und dass er ein massives Arschloch sei. Was übrigens absoluter Quatsch ist, ich wollte selbst zurück nach Berlin.
Wie oft hat sie mich seitdem besucht? Kein einziges Mal.
Für ihre beleidigenden Aussagen gegenüber meinem Partner hat sie sich bis heute auch nicht entschuldigt.
Und das Bitterste daran ist, dass ich von meinen Geschwistern diejenige bin, die sich am häufigsten bei unseren Eltern meldet.
Ich schreibe ihnen mehrmals die Woche, schicke Fotos und Videos vom Baby, Sprachnachrichten, erzähle von unserem Alltag. Meine Geschwister melden sich dagegen meistens nur zu Geburtstagen oder wenn sie etwas brauchen.
Trotzdem habe ich ständig das Gefühl, dass ich diejenige bin, um deren Aufmerksamkeit sich niemand bemüht.
Vielleicht trifft mich das auch deshalb so sehr, weil meine Mutter schon in meiner Kindheit extrem wechselhaft war. Es gab Tage, an denen sie unglaublich liebevoll war, kuscheln wollte und Zeit mit mir verbrachte. Und dann wieder längere Phasen, in denen ich sie kaum ansprechen durfte, ohne angeschrien oder weggeschickt zu werden.
Mein Vater war zwar immer lieb, aber durch seine Arbeit kaum da.
Und irgendwie fühlt es sich heute wieder genauso an. Ich bemühe mich um Kontakt, versuche alles richtig zu machen und bekomme trotzdem kaum etwas zurück.
Jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Drei verschiedene Familien, drei Tage voller Besuche mit einem dann knapp neun Monate alten Baby. Ich freue mich eigentlich darauf, Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen, habe aber gleichzeitig jetzt schon Angst vor dem nächsten Drama, gerade wegen meiner Mutter und meiner Oma im selben Raum wie mein Partner.
Und bevor jemand fragt, warum ich meine Eltern nicht einfach darauf anspreche: Kritik ist bei meiner Mutter praktisch unmöglich. Selbst wenn man sie ganz ruhig auf einen Widerspruch hinweist, macht sie sofort dicht, wird aggressiv und fängt an, einen anzumachen. Ich habe einfach keine Kraft mehr für diese Diskussionen.
Ich verlange doch nicht, dass meine Eltern jedes Wochenende drei Stunden nach Berlin fahren. Ich verlange keine Geschenke, kein Geld und keine riesigen Gesten.
Ich würde mir einfach wünschen, dass sie sich gelegentlich von sich aus melden, vorbeikommen oder wenigstens fragen, wie es uns geht.
Stattdessen durfte ich mir während meiner Schwangerschaft monatelang anhören, dass ich ihnen angeblich ihre Enkeltochter wegnehmen würde.
Und jetzt bin ich diejenige, die ihnen hinterherläuft, damit sie überhaupt Teil ihres Lebens sind.
Ich finde das einfach nur unglaublich unfair. Wahrscheinlich werde ich auf kurz oder lang den Kontakt ausschleichen lassen.